Das Herzstück ist der Porsche-Motor

Die Motoren der 964er sind überaus robust, zuverlässig konstruiert und verarbeitet. Mitunter halten diese sogar rund 500.000 km problemlos aus. Im Laufe der Nutzungszeit kann sich jedoch der Ölverbrauch steigern. Leider unterlassen es viele Besitzer aus Kostengründen, alle 20.000 km das Ventilspiel einzustellen zu lassen. Diese Unnachsichtigkeit kann auch teure Motorschäden verursachen, die sich in der Regel durch mangelnde Leistung und den Ausfall einzelner Zylinder bemerkbar machen. Die wartungsfreien Hydrostößel gab es erst ab dem Nachfolgermodell 993. Im Gegensatz zu einem Coupé werden Cabrios weitaus schonender gefahren. Jedoch kann beim Kauf niemand nachweisen, wie hart der Vorbesitzer seinen Boliden auf der Straße herangenommen hat. Völlig normal ist es, wenn der luftgekühlte Motor eine leichte Öl-Schwitzfeuchtigkeit aufweist.

Wie bereits angesprochen sind die Fahrzeuge bis zu 26 Jahre alt und die Dichtungen am Motor altern. Früher oder später ist hier mit Instandsetzungen zu rechnen oder sie sind bereits durchgeführt worden. In der Regel sind auch die Hitzeschutzbleche, die verhindern das zur Kühlung die heiße Luft rund um den Auspuff angesaugt wird, schadhaft. Diese sollte in jedem Fall angesehen werden und die schadhaften Teile ersetzt werden. Leider behindert die untere Motorabdeckung eine genau Einblicknahme.

Hier ein Beispiel für einen undichten Motor. Aufgrund der Unterbodenverkleidung des Motors ist die Ursache nicht sofort zu erkennen, die ölfeuchte Verkleidung sagt jedoch schon alles.

Ein undichter Motor wird recht teuer. Für eine Motorabdichtung und Instandsetzung der Verblechung verlangen Vertragswerkstätten mitunter 8.000 Euro. Eine Generalüberholung des gesamten Motor mit Austausch aller verschlissenen Teile kostet sogar das Doppelte. Etwas günstiger ist das Abdichten von Ventildeckeln oder den Steuerkästen.

Undichte Steuerkettenkästen
So sieht ein dichter Motor aus

Wobei sich häufig die serienmäßige Beschichtung der Ventildeckel auf der Innenseite löst und in den Ölkreislauf gelangt. Vielfach handelt es sich auch um Ölreste, die beim Befüllen des Motors oder aber des Vorratsbehälters der Servolenkung auf die Verkleidung neben dem Zylinderkopf der Zylinderbank 2 gelaufen sind.

Auch die Ölleitungen müssen untersucht werden

Die Ölleitungen beim Porsche 964 führen vom Motor zum Trockensumpf-Vorratsbehälter über dem Frontölkühler und zurück. Sie können undicht werden und ggf. platzen. Dies ist jedoch fatal, da erstens beim Platzen eines Druckschlauches das Motoröl direkt vor das Hinterrad gepumpt wird und zweitens aufgrund der immensen Pumpleistung der Ölpumpe das gesamte Öl innerhalb von Sekunden weg ist. Folgeschäden im Motor sind dabei nicht ausgeschlossen und dann bleibt nur die Generalüberholung. In vielen Fällen zeigen sich aber vorab triefende Ölleitungen rund um den Trockensumpf-Vorratsbehälter, sodass ein solcher Schaden bald möglich wäre.

Das Ölthermostat, der Ölvorratsbehälter und dessen Ölleitungen sitzen im Radhaus hinten rechts. Bei Undichtigkeiten der Ölleitungen rund um das Thermostat und den Ölvorratsbehälter sammelt sich das auslaufende Öl in der Schwellerverkleidung und tritt irgendwann zwischen der Schwellerverkleidung und dem Unterboden aus, was in diesem und dem nächsten Beispielbild gut zu erkennen ist.
Das Ölthermostat, der Ölvorratsbehälter und dessen Ölleitungen sitzen im Radhaus hinten rechts. So sollte das im Optimalfall aussehen.
Der Ölkühler befindet sich im vorderen Radhaus rechts. Hier wurde der Ölkühler und die entsprechenden Leitungen erneuert. Das Bild zeigt den Ölkühler bei demontierter Frontverkleidung und Radhausverkleidung. Auch die Frontölkühler sind gerne undicht und müssen dann getauscht werden.

Wichtig ist die Kontrolle der Auspuffanlage und der Wärmetauscher. Es handelt sich um sehr teure Bauteile. Ein Endtopf von Porsche kostet rund 1.300 Euro. Die zwei Wärmetauscher sind wesentlich teurer. Statistisch gesehen sind die meisten Porsche 964 aber immer noch zuverlässig mit den ersten Anlagen unterwegs und benötigen auch so schnell hier keinen Austausch.

Originale Auspuffanlage bei demontierter Motorverkleidung mit Vorschalldämpfer

Häufig ist das sogenannte Cup-Rohr verbaut, das den Vorschalldämpfer ersetzt und für einen kräftigen Sound sorgt. Leider wurde das Groh dieser Cup-Rohre nicht mit einem Gutachten zur Eintragung beim Tüv geliefert und ist somit eigentlich nicht zulässig.

Auspuffanlage bei demontierter Motorverkleidung mit Cup Rohr. Das Rohr ersetzt den Vorschalldämpfer, der zwischen dem Katalysator und dem Endschalldämpfer angeordnet ist.

Antrieb und Zündverteiler beim Porsche 964

Eine besondere Schwachstelle ist der Antriebsriemen für den zweiten Zündkreis des Porsches 964. Der Zahnriemen für den zweiten Zündverteiler neigte bei den ersten Modellen zum Reißen. Der Ausfall des zweiten Zündkreises kann zu kapitalen Motorschäden führen. Zu diesem Zweck hat sich Porsche entschieden, an allen 964ern einen Belüftungsschlauch nachzurüsten, der am Zündverteiler montiert wird. Dennoch wird empfohlen alle 120.000 km den Antriebsriemen auszuwechseln.

Zündverteiler in eingebauten Zustand – gut zu erkennen die Nachrüstung der Zusatzbelüftung wie von Porsche empfohlen. Bild zwei zeigt einen Teil des Zündverteilers ohne Verteilerkappe und Läufer. Zu sehen ist der Zahnriemen der den Verteiler für den zweiten Zündkreis antreibt.

Ein weiteres Manko ist das gummigefederte Zweimassenschwungrad. Die ersten Modelle vom Hersteller Freudenberg neigten zum vorzeitigen Verschleiß und sind in fast allen Fällen durch stahlgefederte LuK-Modelle ersetzt worden.

Wer sich für einen Carrera 4 interessiert, sollte auch das ABS-Steuergerät und die Hochdruckpumpe überprüfen. Beides sitzt im vorderen Kofferraum. Dabei kann die Steckverbindung manchmal korrodiert sein. Ein Ersatz ist nicht billig und kostet eben mal 4.000 Euro. Ein Tipp: Stecker ziehen und auf Korrosion überprüfen.

ABS- Steuergerät in eingebauten Zustand
Einbaulage Hochdruckpumpe

Das Getriebe darf nicht vergessen werden

Für eine zuverlässige Kraftübertragung spielt das Getriebe eine wichtige Rolle. Der 964er wird sowohl mit Tiptronic-Automatik als auch mit Fünfganggetriebe ausgeliefert. Das Getriebe ist im Grunde wartungsfrei, wenn regelmäßig Öl nachgefüllt wird und auch keine Undichtigkeiten auftreten. Beim manuellen Getriebe können im Laufe der Zeit jedoch die Synchronringe verschleißen. Dagegen zeichnet sich das beim Carrera 4 an der Vorderachse sitzende Transaxle-Differenzial als sehr langlebig aus.

Schaltgetriebe im ausgebautem Zustand mit Motor verbunden

Überprüfung von Fahrwerk, Bremsen und Lenkung

Zu den Verschleißteilen zählen ganz klar die Dreieckslenker der Vorderachse, die Traggelenke, die Spurstangen, die Stoßdämpfer und Bremsen.

Man sieht hier die Radaufhängung vorne rechts. Gut zu erkennen sind die Bauteile Dreieckslenker Traggelenk Spurstange und der untere Teil des Stoßdämpfers.
Man sieht hier das verschlissene vordere Gummi-Metalllager des Dreieckslenkers vorne rechts. Diese Dreieckslenker sollten definitiv erneuert werden.
Man sieht hier die Radaufhängung vorne rechts nach einer Instandsetzung. So sollte das aussehen.

Gerade wenn der Vorbesitzer meist sportlich unterwegs war, ist in vielen Fällen Ersatz vorprogrammiert. Diese Originalteile sind jedoch nicht gerade billig. Serienmäßig wird der 964 mit Boge-Stoßdämpfern geliefert, welche einen angenehmen Fahrkomfort versprechen. Sportlich härter sind dagegen die Bilstein- oder Koni-Stoßdämpfer, die jedoch konstruktionsbedingt eine längere Lebensdauer besitzen. Ein Pluspunkt beim Kauf ist, wenn die Scheibenbremsen und Stoßdämpfer zuvor gewechselt wurden. Leider neigen die Leichtmetall-Bremssättel zu Korrosionsproblemen und können Festgehen. Auch hier lieber zweimal hinsehen. Beim Fahrwerk selbst neigen viele Porschefahrer dazu, ihr Fahrzeug tiefer zu legen. Aber auch breitere und größere Reifen gehören dazu. Diese Tuningmaßnahmen können jedoch das Fahrverhalten wesentlich beeinträchtigen und sind auch nur dann zulässig, wenn sie ausdrücklich für den 964er geeignet sind. Mitunter können selbsteingetragene Reifenänderungen an der Radaufhängung oder an den Radkästen schleifen.

Zu sehen ist hier das Radhaus vorne rechts eines C2. Gut zu erkennen sind die Schleifspuren im Radhaus. Hier wurde eine zu breite Rad/Reifenkombination gefahren.

Vielfach wurde dann die Freigänggikeit nicht richtig überprüft. Keinesfalls sollte das serienmäßige Fahrwerksgewinde verändert werden, da dies zu einem lebensgefährlichen Unfall führen würde. Sie dienen ausschließlich der Radlastjustage und nicht einer möglichen Tieferlegung. Bei hohen Geschwindigkeiten greift insbesondere der Carrera 4 mit Allrad auf diese Parameter zurück und kann bei unsachgemäßer Einstellung zu einem tückischen Fahrverhalten führen.

Die inneren Werte sollten ebenfalls begutachtet werden

Das Cockpit des Porsche 964 ist voll von elektronischen und elektrischen Ausstattungsarmaturen. Diese wurden entgegen dem 911er Vorgänger komplett neu entwickelt. Insgesamt zeichnen sich diese Komponenten durch eine hervorragende Verarbeitungsqualität aus. Jedoch sollte jeder vor dem Kauf die Funktionalität von Klimaanlage, Fensterheber, elektrischer Sitzeinstellung und anderen Möglichkeiten überprüfen. Die Anzeigeinstrumente mit Durchlichttechnik können im Laufe der Jahre jedoch gealtert sein. Farbabblätterungen am Außenring und an den Zifferblättern sind keine Seltenheit.

Zu sehen ist das Armaturenbrett eines C2. Gut zu erkennen die Farbabblätterungen an den Zifferblättern.

Meist kommt dies durch Feuchtigkeit zustande. Bei einigen Modellen sind hier keine Schäden vorzufinden, bei anderen wesentlich mehr. Bei der Produktion wurden hier wohl verschiedene Materialien verwendet. Die serienmäßig eingebauten Sitze überzeugen nicht nur mit einer guten Verarbeitungsqualität, sondern bieten auch einen ausreichenden Seitenhalt. Häufig sind jedoch die nach vorne neigenden Seitenwangen durch Ein- und Aussteigen stärker verschlissen.

Deutlich zu sehen der erhöhte Verschleiß an den Seitenwangen des Fahrersitzes durch häufiges Ein- und Aussteigen. Für eine Laufleistung von 200.000 km jedoch akzeptabel.

Bei Cabrios sind häufig witterungsbedingte Schäden anzutreffen. Die Innenmaterialien und insbesondere die Lederausstattung sind von der Sonne ausgeblichen.

Auch keine Seltenheit sind verzogene Armaturenbretter. Das kommt bei Cabriolets und auch bei Coupés häufig vor.

Hier ein Beispiel für ein verzogenes Armaturenbrett. Abhilfe gibt es nur durch eine teures Neuteil oder aber durch ein neues Beziehen bei einem guten Sattler.

Allgemeine Infos zum Porsche 964

Der Porsche 964 wurde als Nachfolger des 911 von 1988 bis 1994 als Coupé, Targa und Cabrio gebaut. Die Motorenpalette reicht von 3,3- bis 3,8-Liter-Sechszylinder-Maschinen mit einer Leistung von 184 bis 280 kW. Während der Carrera 2 ausschließlich über einen Heckantrieb verfügt, besitzt der Carrera 4 Allradantrieb. Insgesamt ist das Fahrzeug 4,25 m lang, 1,65 m breit und nur 1,32 m hoch. Der Radstand beträgt 2,27 m. Der Bolide bringt dabei ein Gewicht von 1.350 bis 1.470 kg auf die Waage.

Teil 1: Die etwas andere Porsche 964 Kaufberatung der Manufaktur 964.
Teil 3: Der Porsche 964 - Die absoluten Oberklasse in Bezug auf Technik und Qualität

Geschrieben am 31.08.2015

Tags: kaufberatung